Artist Sabine Gerstacker, schoene wilde Bilder
 
Artist Gerstacker Schöne Wilde Bilder in Öl und Druckgraphik

Traunsteiner Tagblatt vom 8. Dezember 2007
Gedankliche Durchdringung der Wirklichkeit

Ölbilder von Sabine Gerstacker und Bronzeskulpturen von Konrad Kurz im Kulturhaus Holzapfel

Tacherting. Ganz verändert erscheint der Ausstellungsraum im Kulturhaus Holzapfel in Oberbrunnham bei Tacherting. Dem Eintretenden springen die großflächigen starkfarbigen abstrakten Ölgemälde Sabine Gerstackers förmlich entgegen, strahlen Dynamik und Lebensfreude aus.

Sabine Gerstacker durchlief eine fundierte künstlerische Ausbildung und hat sich an der Darstellung der Wirklichkeit geschult. Davon zeugen im Kulturhaus Holzapfel eine Reihe von Akten im eher kleineren Format. Erst mit 43 Jahren malte sie ihr erstes abstraktes Bild; sie schafft damit ihr „eigenes Universum“, wie sie selbst sagt, das aber die tatsächliche Wirklichkeit immer noch im Hintergrund hat. Deshalb ist nichts zufällig in Sabine Gerstackers Bildern.

Ausgehend von der Betrachtung der Realität entsteht im Kopf der Künstlerin das fertige Konzept, schließlich das Bild selbst, oft in einem längeren Prozess. Des Öfteren ist der Ausgangspunkt ein philosophischer Gedanke, z.B. „Alles fließt“ – „Panta rhei“ ist auch der Name eines Gemäldezyklus von Sabine Gerstacker. Dennoch sind ihre Bilder keineswegs kopflastig.

In der abstrahierenden Durchdringung der Wirklichkeit bringt sie Ganzheit und Vielfalt der sich ständig wandelnden Welt auf die Leinwand, auf jedem ihrer oft großformatigen Bilder gibt es immer wieder Neues zu entdecken.

Für Sabine Gerstacker steht die abstrakte Malerei in Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Entwicklungen der Gegenwart – sie wurde erst möglich durch die Auflösung der fest gefügten Welt der Ständegesellschaft vergangener Jahrhunderte und der Künstler spiegelt wie ein Seismograph die modernen Verhältnisse wider, ist ihre Überzeugung.

Erika Holzapfel hält auch bei der aktuellen Ausstellung an ihrem Erfolgsrezept fest, der Kombination von Gemälden mit Plastiken eines anderen Künstlers, so dass unterschiedliche künstlerische Ausdrucksweisen einander ergänzen. Auf den ersten Blick ist allerdings kein gemeinsamer Nenner von der aufs Dynamische eines Netzwerks vieler Teile von Wirklichkeit gerichteten Sehweise Sabine Gerstackers und dem scheinbar Statischen der Bronzegussplastiken von Konrad Kurz zu erkennen. Am ehesten zeigt sich ein gewisser Gleichklang in der künstlerischen Auseinandersetzung mit der menschlichen Gestalt, die vor allem bei Konrad Kurz großen Raum einnimmt.

In den großen wie in den kleinen Figuren löst sich das Statuarische auf in der Bewegung des menschlichen Körpers; Konrad Kurz fängt sie in seinen Bronzeplastiken meisterhaft ein.

Im Ausstellungsraum des Kulturhauses Holzapfel nun korrespondieren die Skulpturen perfekt mit den sparsam farblich akzentuierten Aktzeichnungen Sabine Gerstackers.

Bei genauerer Betrachtung ihrer abstrakten Bilder lässt sich auch hier eine gemeinsame Linie mit Konrad Kurz finden, weniger im Thematischen, als in der sehr durchdachten Verwendung der gestalterischen Mittel, die so charakteristisch für den Bronzegießer ist, der von vornherein das Bild der fertigen Skulptur im Kopf hat, doch viele Arbeitsschritte machen muss, um zu diesem Ziel zu kommen. Besonders deutlich zeigt sich die dafür notwendige gedankliche Leistung in dem „Boot“ von Konrad Kurz, ein kompliziertes Gebilde, an das Prunkschiff eines Barockfürsten erinnernd; für Schiffsrumpf, filigranen Aufbau und Figuren wurden einzelne Gussformen hergestellt, die Gussteile durch Löten verbunden.

Für die Ausstellung im Kulturhaus Holzapfel musste eine begrenzende Auswahl aus dem Gesamtwerk von Konrad Kurz getroffen werden. Sie stellt die Bronzegussplastik in den Vordergrund, und hier wiederum die kleineren Formate. Die bei den Stahlsymposien in Riedersbach entstandenen Stahlgroßskulpturen mussten vernachlässigt werden und damit eine ganz andere Facette seines Schaffens, die zeigt, dass er sich genauso souverän der abstrakten Formen-sprache bedient.

Mit Sabine Gerstacker aus Laufen und Konrad Kurz aus Petting in der Nähe des Waginger Sees wird im Kulturhaus Holzapfel wieder einmal der Beweis angetreten, dass die Region zwischen Inn und Salzach eine Fülle an bildender Kunst von hoher Qualität liefert. Die Ausstellung ist noch bis 20.Dezember geöffnet jeweils von Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr.
Dr. Inge Graichen

Artist Sabine Gerstacker stellt bilder im Kulturhaus Oberbrunnham aus
Kulturhaus Holzapfel: „Boot IV“ von Konrad Kurz vor „Vivat“, Öl auf Leinwand, von Sabine Gerstacker (Foto: Graichen)

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